Knapp eine Woche nach unserer Reise nach Pucón reisten wir nach Bolivien zum Salar de Uyuni. Bereits während der Planung der Reise merkten wir, wie kompliziert die Reise werden würde. Ein Flug von Santiago nach Uyuni hätte uns knapp 700 € hin und retour gekostet – das war uns dann doch etwas zu teuer, weshalb wir diese Option schnell eliminierten. Die knapp 2000 km lange Busfahrt war uns auch etwas zu lange, vor allem da wir nur knapp vier Tage Zeit hatten, weswegen wir schließlich beschlossen, in den Norden Chiles zu fliegen um mit einem Bus versuchen die Landgrenze zu überqueren. Einziger Nachteil: die Busse fahren immer nur morgens zwischen 8:00 und 9:00 Uhr. Um die kostbare Zeit nicht zu verschwenden, buchten wir einen Flug von Santiago de Chile nach Calama – Abflugszeit: 05:02 Uhr – dementsprechend leer war das Flugzeug übrigens auch. Die frühe Abflugzeit wurde jedoch von der atemberaubenden Aussicht und dem Sonnenaufgang wiedergutgemacht.
Fahrt nach Uyuni
Angekommen in Calama mussten wir uns auch schon einigermaßen schnell um einen Uber kümmern, um vom Flughafen in die Stadt zu kommen und unseren Bus nach Bolivien zu finden. Wir nutzten das Angebot von TransRicardo, die uns vor Abfahrt die Koordinaten für den Treffpunkt sendeten. Anschließend ging es mit einem kleinen Bus von Calama über asphaltierte Straßen nach Ollagüe an die Chilenisch-Bolivianische Grenze. Auf der knapp zweieinhalb Stunden langen Fahrt kamen wir an zahlreichen kleineren Salztümpel und Vulkanen vorbei. Hin und wieder mussten wir sogar für Lamas und Vicuñas anhalten, die die Straße querten.
Angekommen im Grenzdorf Ollagüe, einem wirklich sehr sehr kleinen Dorf auf knapp 3700 m Meereshöhe, mussten wir den Bus verlassen und die Grenzformalitäten auf der Chilenischen Seite absolvieren, was relativ gut funktionierte. Anschließend brachte uns ein anderer Bus an die tatsächliche, geografische Grenze (knapp 2 km weit entfernt). Dort wartete dann ein wiederum kleinerer Minivan mit bolivianischem Kennzeichen auf uns. Warum genau wir den Bus nochmals wechseln mussten verstanden wir zwar anfangs nicht, später stellte sich aber heraus warum. Beim Umsteigen half mir mein Kollege den Koffer aus dem chilenischen Bus rauszunehmen, als wir uns dann aber umdrehten, sahen wir gerade noch wie der bolivianische Bus mit all unseren anderen Freunden zur Abfahrt ansetzte. Zusammen mit meinem Freund und einer Bolivianerin stand ich nun da mitten in der Wüste, an der Grenze zwischen Bolivien und Chile. Nachdem ich nachgefragt hatte, ob und wann wieder ein Bus fährt, kam die Antwort „es wird vermutlich schon irgendwann noch ein Bus kommen“. Obwohl das nicht wirklich die Antwort war, die ich mir erhofft hätte, hatten wir zumindest Zeit die Frage zu klären, warum wir hier überhaupt standen. Die Frau erklärte uns, dass chilenische Transportunternehmen keine Dienstleistungen in Bolivien durchführen dürfen und umgekehrt, aus versicherungstechnischen Gründen. Dementsprechend mussten wir an der Grenze sowohl den Bus als auch den Anbieter wechseln. Einen Aufpreis zahlten wir dadurch nicht, da die Unternehmen untereinander kooperieren würden. Nach rund 20 Minuten kam dann auch schon ein Bus, der uns zur bolivianischen Grenzstelle führte. Hier durchliefen wir denselben Prozess wie auf der chilenischen Seite, allerdings war hier mit Englisch endgültig Endstation. Was wir im Vorfeld nicht wussten, und auch nicht wirklich im Internet herauslesen konnten, war das obligatorische Ausfüllen eines Einreiseformulares nach Bolivien. Grundsätzlich kann das auch vor Ort gemacht werden, allerdings hatten wir kein Netz (trotz bolivianischer Sim-Karte) noch gab es WLAN, was das ganze etwas schwierig gestaltete. Es empfiehlt sich also das Formular vor der Einreise schon auszufüllen. Im Anschluss ging es dann im gleichen Minivan weiter nach Uyuni – knapp drei Stunden dauerte die Fahrt und führte ausschließlich über Schotterpisten – in einem Minivan mit undichten Fenstern und Türen. Die Einheimischen waren dessen offenbar bewusst und brachten vorsorglich FFP2-Gesichtsmasken mit. Ich jedenfalls hatte nach der Fahrt das Gefühl, meine Lunge würde aus Staub und Sand bestehen.
Absolut erschöpft von der Reise kamen wir am Abend nach unserer knapp sechseinhalb Stunden langen Busfahrt in Uyuni an. Allerdings stellten wir auch hier schnell fest, dass wir nicht nur auf 3700 m Meereshöhe, mitten in der Wüste kein Netz hatten, wir hatten auch mitten in Uyuni kaum Internet – beziehungsweise so wenig, dass wir Google Maps Routen fünf Minuten im Vorfeld eingeben mussten, damit sie geladen waren, als wir losstarten wollten. Lokale Busse konnten wir kaum welche ausfindig machen, also beschlossen wir zum Hotel zu laufen. Leider haben wir uns im Namen verschaut und wollten im falschen Hotel einchecken, somit mussten wir wieder umdrehen und einen kleinen Umweg nehmen. Generell erweckt Uyuni den Anschein, eine sehr kleine und auch sehr arme Stadt zu sein, die einem in der Nacht durchaus ein etwas komisches Gefühl im Magen verursachen kann. Trotzdem versicherten uns zahlreiche Personen, dass es auch in der Nacht absolut sicher ist und man sich auch nicht von den Straßenhunden großartig fürchten muss, solange man sie einfach nicht beachtet.
Salar de Uyuni
Am nächsten Morgen nahmen wir an einer der zahlreichen Touren auf den Salzsee teil. Zwischen Mai und Oktober herrscht Trockensaison, von Januar bis März die Regensaison, wodurch zwar eine tolle Reflektion auf dem See entsteht, allerdings große Teile nicht zugänglich sind. Der April ist dabei eine Art Übergangszeit wodurch wir die trockenen Teile sowie auch noch Rückstände der Regensaison zu sehen bekamen. Die Tour startete beim Eisenbahnfriedhof in Uyuni, welcher als größter seiner Art weltweit gilt. Im späten 19. Jahrhundert wurde die Strecke benutzt, um Rohstoffe aus der Bergbauindustrie wie Kupfer, Gold oder Silber vom Landesinneren an die Pazifikküste ins heutige Chile zu transportieren. Nachdem im frühen 20. Jahrhundert die lokale Industrie zusammenbrach, wurden sämtliche Züge stillgelegt. Heute sehen die Züge relativ ausgeschlachtet aus, unter anderem aufgrund von Korrosion aber auch, da Anwohner das Altmetall der Züge für private Zwecke entwendeten.
Anschließend fuhren wir mit unserem Guide noch kurz Kokablätter holen und stoppten dann beim Handwerksmarkt in Colchaní, am östlichen Eingang des Sees. Nach einem kurzen Stopp ging es für uns quer über den See zum „Comedor del Sal“ – einer kleinen Unterkunft welche komplett aus Salz besteht wo wir schließlich unser Mittagessen genießen durften. Am Nachmittag machten wir verschiedene Stopps über den ganzen See verteilt, unter anderem auch auf der Insel Incahuasi, welche in der Regensaison auch wirklich eine Insel ist. Incahuasi ist relativ klein und in knapp 20-30 Minuten ist man auch mehr oder weniger alles abgelaufen, dennoch rentiert sich ein Besuch – alleine schon aufgrund der Aussicht auf dem höchsten Punkt der Insel.
Der Ausflug endete dann mit einem Glas Wein an einem der noch leicht mit Wasser befüllten Stellen des Sees. Besonders bei Sonnenuntergang war die Reflektion des Sees atemberaubend. Abgesetzt wurden wir dann wieder im Stadtzentrum, wo wir dann noch eine Kleinigkeit zu Essen suchten und anschließend den Heimweg zum Hotel angetreten sind. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: über Nacht fühlte ich mich gesundheitlich nicht ganz fit, was schlussendlich in knapp 39° C Fieber resultierte. Vollgepumpt mit fiebersenkenden Medikamenten musste ich am Tag danach die geplante Rückreise nach Calama antreten – zu meinem Glück war mein Körper ziemlich erschöpft und ich schlief mehr oder weniger die ganze Fahrt durch.
Abstecher nach San Pedro de Atacama
Nachdem wir wieder in Calama angekommen sind, fühlte ich mich auch schon ein Stück besser. Zurück am Flughafen holten wir uns einen Mietwagen, da wir noch eine Nacht in der chilenischen Atacamawüste verbringen wollten. Von Calama aus machten wir uns auf den Weg nach San Pedro de Atacama, dem wohl bekanntesten Ort der Region. Die Fahrt dauerte knapp etwas länger als eine Stunde. Spannend war, dass der Großteil der Straße komplett gerade durch die Wüste verläuft, und man dabei nicht das Gefühl hatte, an Höhe zu gewinnen. Tatsächlich legt man aber knapp 1000 Höhenmeter zurück, ehe man auf den letzten 30 km wieder knapp 1000 Höhenmeter verliert bis nach San Pedro, die merkt man allerdings. Wenige Kilometer vor Stadteingang gibt es einige schöne Aussichtspunkte, unter anderem auch einen von dem aus man das Valle de la Luna von oben aus sieht – eine sehr verklüftete Schluchtenlandschaft in der Wüste.
In der Stadt angekommen gönnten wir uns dann noch ein schönes Steak und natürlich einen obligatorischen Pisco Sour dazu. Da die Atacamawüste als eine der weltweit besten Regionen für Sternbeobachtungen gilt, machten auch wir nachts noch eine kleine Ausfahrt in die Wüstengegend südlich von San Pedro. Leider jedoch hatten wir zu der Zeit Vollmond, wodurch sich die Sicht auf die Sterne deutlich schwieriger gestaltete. An unserem letzten Tag besuchten wir noch die Lagunas Escondidas de Baltinache, eine Ansammlung von kleinen Salztümpel in denen man baden kann. Am späten Nachmittag ging dann auch schon unser Rückflug nach Santiago. Rückwirkend betrachtet könnte man alleine in San Pedro eine ganze Woche verbringen, ohne Langeweile zu verspüren.

