Mitte April bekam ich Besuch aus Österreich von zwei meiner besten Freunde. Damit auch sie Chile etwas erkunden können, beschlossen wir, erneut in Richtung Süden zu fliegen. Etwa eine Stunde und 30 Minuten Flugzeit südlich von Santiago befindet sich die Region Araukanien mit der Hauptstadt Temuco. Wir besorgten uns wieder ein Mietauto und fuhren ins knapp 70 km entfernte Villarrica, gelegen am gleichnamigen See. Diese Region Chiles wurde stark von deutschem und österreichischem Einfluss geprägt. Im Laufe des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wanderten viele Mitteleuropäer nach Südchile und Argentinien aus und etablierten teilweise ganze Siedlungen und Städte. Dementsprechend häufig findet man in dieser Region auch typisch österreichische oder deutsche Speisen wie „Bienenstich“, „Apfelstrudel“ oder aber auch deutsches Weißbier. Villarrica ist ansonsten bekannt für seinen 2.850 m hohen gleichnamigen Vulkan. Dieser ist einer von weltweit acht aktiven Vulkanen, die auch einen aktiven Lavasee im Krater besitzen. Dementsprechend sieht man immer etwas Rauch aufsteigen und nachts teilweise ein leichtes rotes Glühen.
Pucón und Mapuche
Nach dem Zwischenstopp in Villarrica ging es entlang des Seeufers weiter nach Pucón, wo wir einen kleinen Bungalow auf einem Campingplatz für die nächsten Nächte gebucht hatten. Aus unerklärlichen Gründen gestaltete sich die Suche nach dem Campingplatz allerdings als extrem schwierig, da sämtliche Straßen, die in Google Maps eingezeichnet waren entweder gesperrt waren, oder wir von mehreren aggressiven und bellenden Hunden umstellt wurden und wir die Flucht ergreifen mussten. Nach einer knappen halben Stunde Suche und einem erhöhten Puls wurden wir schließlich fündig. Pucón ähnelt Villarrica stark und ist bekannt als Sportstadt Chiles. Sie ist Ausgangspunkt für Wanderungen auf den Vulkan Villarrica, Rafting-Touren sowie jegliche Wassersportarten.
Bekannt ist die Region auch für ihre indigene Bevölkerung, den Mapuche. Im Gegensatz zu anderen indigenen Völkern gelang es den Mapuche sich über 300 Jahre hinweg gegen die spanische Kolonialisierung erfolgreich zu wehren. Dies hatte zur Folge, dass die Mapuche bis 1883 über ihren eigenen Staat verfügten. Bis heute strebt das Volk einen unabhängigen Staat an. Mit unserem Auto fuhren wir an unserem ersten vollen Tag weiter Richtung argentinische Grenze und stießen zufällig auf ein kleines indigenes Restaurant. Speisekarte gab es keine, dafür ein extrem leckeres und lokales Menü. Am Nachmittag wanderten wir zum Aussichtspunkt „Mirador Laguna el Leon“ und wurden mit einer fabelhaften Sicht auf die Region und den Villarrica Vulkan belohnt. Am Rückweg nach Pucón besuchten wir noch die Tres Saltos, drei Wasserfälle in unterschiedlichen Höhen die gegen eine Gebühr von knapp 9 € besichtigt werden können – was auch absolut 9 € Wert war!
Wellnessen in den Termas Geometricas
Am nächsten Morgen ging es für uns zu den Termas Geometricas. Mehr oder weniger ein Insidertipp den mein Kollege von einem Arbeitskollegen bekommen hat. Die Termas Geometricas ist ein Thermalbad unter freiem Himmel gebaut in eine Schlucht am Südhang des Villarrica Vulkans. Die vulkanische Aktivität in der Gegend erhitzt das Wasser der Becken auf 35-42° C. Auch wenn die Anfahrt knapp zwei Stunden dauert von Pucón aus, ist es definitiv ein Tagesausflug wert.
Quer durch die gesamte Schlucht führt ein roter Weg, der zwar vermutlich architektonisch sehr cool ist und auch für einen schönen Kontrast zum grünen Wald sorgt, allerdings EXTREM rutschig ist. Es empfiehlt sich dementsprechend gutes Profil auf den Badeschuhen :). Da wir die Therme im April besuchten, war in den südlicheren Regionen Chiles bereits der Herbst eingebrochen, weshalb auch ein Bademantel um diese Zeit empfehlenswert ist. Für mich war der Ausflug ein absolutes Highlight nicht nur von Chile sondern von der gesamten Südamerika Reise.

