„The sea is dangerous and its storms terrible, but these obstacles have never been sufficient reason to remain ashore“
Ferdinand Magellan – Portugiesischer Seefahrer (1480-1521)
Patagonien war eine der Regionen, die ich bereits als kleines Kind faszinierend fand und unbedingt in meinem Leben besuchen wollte. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich einen Kinderweltatlas zu Weihnachten geschenkt bekommen habe, in dem die Region erwähnt wurde unter anderem zusammen mit Ferdinand Magellan, wahrscheinlich neben Christoph Columbus einer der einflussreichsten Seefahrer der Neuzeit. Magellan strebte eine Weltumsegelung an, wodurch er die Meerenge zwischen Feuerland und Festlandpatagonien durchquerte, unglücklicherweise überlebte er die Weltumrundung nicht. Dennoch wurde die Meerenge nach ihm benannt.
Von Santiago aus nahmen wir einen ca. drei Stunden langen Flug nach Punta Arenas – die weltweit südlichste Großstadt mit über 100.000 Einwohnern. Obwohl in Chile im Februar eigentlich noch Sommer ist, landeten wir in Punta Arenas bei knapp 8° C. Aktuell hielt uns das allerdings noch nicht auf. Mit einem Mietwagen ausgerüstet machten wir uns auf den Weg ins knapp 250 km entfernte Puerto Natales, einem kleinen Dorf mitten in den kalten Fjords an der südpazifischen Küste. Der Ort ist der Ausgangspunkt für die meisten Patagonien-Touristen, ob Fjordkreuzfahrt oder Wandertouren – Puerto Natales eignet sich perfekt dafür.
Nationalpark Torres del Paine
Am nächsten Morgen startete in Puerto Natales die Jagd nach Handschuhen und einer Mütze – tatsächlich hatten wir nicht auf dem Schirm, dass es auch im Sommer in Patagonien 4° C haben kann, Windgeschwindigkeiten von über 50 km/h verbesserten die Situation nicht unbedingt. Nach knapp zwei Stunden wurden wir dann auch fündig und tankten noch ein letztes mal voll, da wir die nächsten zwei Tage quasi von der Zivilisation abgeschnitten waren. Unser Ziel: der Nationalpark Torres del Paine – der wohl bekannteste Ort Chiles. Der westliche Eingang zum Nationalpark befindet sich rund 80 km von Puerto Natales entfernt, da allerdings nur knapp 10 km davon asphaltiert sind und die restlichen 70 km lediglich eine Schotterpiste mit tausenden von Schlaglöchern sind, brauchten wir deutlich länger als die 90 Minuten die von Google Maps vorgeschlagen wurden. Eventuell lag das auch daran, dass wir gefühlt alle 10 km stehen geblieben sind um die Aussicht zu bewundern.
Angekommen am Eingang „Serrano“ am westlichen Ende, mussten wir uns und unser Auto registrieren, da wir entgegen den klassischen Touristen nicht den ganzen Park mit einer Tour abgewandert sind. Bereits zu diesem Zeitpunkt bemerkten wir, dass das Wetter in Patagonien extrem unbeständig ist. Im Nieselregen fuhren wir weiter zum Lago Grey wo wir ursprünglich mit einem Boot zum Grey Gletscher fahren wollten. Leider waren sämtliche Fahrten an diesem Tag aufgrund des Wetters gestrichen, wodurch wir eine kleine und kurze Wanderung zu einem Aussichtspunkt unternommen haben.
Ausgerechnet als wir wieder zurück beim Auto waren, besserte sich das Wetter etwas, woraufhin wir weiter Richtung Osten fuhren. Auch auf diesem Streckenabschnitt war nichts asphaltiert, wodurch wir deutlich länger unterwegs waren als ursprünglich gedacht. Am Salto Grande wurden wir dann wieder zurückgewiesen aufgrund von Windgeschwindigkeiten von über 110 km/h und angesichts der einbrechenden Dämmerung machten wir uns zurück auf den Weg nach Villa Rio Serrano, einer kleiner Siedlung außerhalb des Parks wo wir die Nacht verbrachten. Für den nächsten Tag hatten wir ursprünglich die Wanderung zum „Mirador Las Torres“ geplant. Leider Brachte das schlechte Wetter an unserem Ankunftstag auch eine ordentliche Menge an Schnee mit, wodurch wir sicherheitshalber diese Wanderung verworfen haben.
Am zweiten Tag im Nationalpark wagten wir deshalb einen zweiten Versuch zum Salto Grande zu kommen, der diesmal auch glückte. Auch wenn wir den Windgeschwindigkeiten von knapp 80 km/h trotzten, war uns nun auch bewusst, warum der Aussichtspunkt am Vortag bei deutlich stärkerem Wind geschlossen war. Die Landschaft war dennoch atemberaubend und wir bekamen sogar einen Regenbogen zu sehen! Den Nationalpark verließen wir schließlich über die östliche Seite über Laguna Amarga, wodurch wir noch einige schöne Aussichtspunkte entdeckten. Zurück nach Puerto Natales fuhren wir dann über Cerro Castillo, nahe der argentinischen Grenze.
Punta Arenas & Isla Magdalena
Zurück in Punta Arenas hatten wir noch einen Tag übrig. Am Vormittag buchten wir eine Tour zur Isla Magdalena, auch bekannt als Pinguininsel. Mit einem Katamaran fuhren wir quer durch die berüchtigte Magellanstraße. Fazit: ich werde immer noch Seekrank. Auf der Insel angekommen war die Übelkeit jedoch bald wieder vergessen, als sich die ersten Pinguine zu sehen gaben. Über einen abgesperrten Weg kann man beinahe die komplette Insel erkunden und Pinguine in ihrer Natur beobachten. Der Rückweg zurück nach Punta Arenas war dann auch deutlich ruhiger.
Am Nachmittag beschlossen wir ans „Ende der Welt“ zu fahren. Etwa 70 km südlich von Punta Arenas endet nämlich die Straße, nicht die asphaltierte Straße, sondern generell die Straße. Ein Schild markiert den südlichsten Punkt Festlandamerikas, der über Straßen erreichbar ist und zugleich den „Beginn“ des amerikanischen Kontinents. Etwas weiter der Küste entlang befindet sich eigentlich noch ein Leuchtturm zu dem wir wandern wollten, allerdings waren nach 10 Minuten keine offiziellen Wege mehr vorhanden und der Strand voller großer Steine wodurch wir schlussendlich umgedreht sind.
Mein Fazit zu Patagonien: Magellan hatte definitiv recht. Das Meer ist gefährlich, die Stürme und Wetterumschwünge sind extrem, sogar im Sommer merkt man die geografische Nähe zur Antarktis, doch all das ist kein Grund für mich, Patagonien nicht zu besuchen. Die Region war eine der eindrucksvollsten die ich je besucht habe und ich würde Patagonien auf jeden Fall wieder in zukünftige Südamerikareisen einplanen.

