Rio de Janeiro – ein absolutes Traumreiseziel von mir und dementsprechend hoch auf meiner „Must visit“-Liste für Südamerika. Anfang Mai 2024 hatten wir beschlossen, im Juni an die berühmte Copacabana zu fliegen. Von Santiago aus hatten wir einen Flug nach Rio Galeao über Sao Paulo Guarulhos. In Sao Paulo hatten wir auch nur einen kurzen Zwischenstopp – genug Zeit allerdings um brasilianischen McDonalds zu probieren. Tatsächlich sieht der Flughafen auf einer Karte gar nicht so groß aus, in Realität wirkt er allerdings riesig. Auf dem Flug nach Rio lernten wir dann eine nette junge Frau kennen, mit der wir ins Gespräch kamen und uns kulinarische und kulturelle Tipps gab, welche sich später auch als echt gut herausstellten. Zufälligerweise wohnte sie ebenfalls an der Copacabana, unweit von unserem Hotel entfernt, wodurch sie uns anbot, einen Uber mit ihr zu teilen. Da Brasilien portugiesisch als Landessprache hat, waren wir mit unserem Spanisch auch relativ schnell am Ende. Glücklicherweise hatten wir aber ja die Dame aus dem Flugzeug dabei, die netterweise dem Uber Fahrer unsere Fragen stellte und das Gespräch übersetzte. Abends gab es dann noch einen Caipirinha für umgerechnet 2,50 € an der Copacabana, was rückblickend gesehen echt teuer war.
Samba & Caipirinhas
Von unserer Flugzeugbekanntschaft hatten wir den Tipp bekommen, entweder Freitags oder Montags das Sambafest bei Pedra do Sal im Zentrum von Rio zu besuchen. Sie warnte uns jedoch bereits vor und meinte wir sollten unbedingt einen Uber bestellen, da Rio nachts und vor allem das Zentrum sehr unsicher ist – gesagt getan, am selben Abend noch beschlossen wir, auf diese Party zu gehen. Pedra do Sal ist eine Sambaparty die zwei mal wöchentlich rund um den Platz Sao Francisco da Prainha stattfindet. Lokale Sambagruppen musizieren und tanzen miteinander in der gesamten Gegend, was von lokalen Barbesitzern mit deren Getränkeangebot erweitert wird. Caipirinhas gibt es in allen möglichen Geschmacksrichtungen, teils bereits ab einem Euro umgerechnet. Eine absolut coole kulturelle Erfahrung und absolut empfehlenswert bei einem Trip nach Rio! Für die Fahrt zurück ins Hotel hatten wir uns einen Uber gebucht, der teilweise auch über rote Ampeln fuhr – als ich in, was die Südamerikaner „portunhol“ – eine Mischung aus spanisch und portugiesisch – nennen, nachfragte ob das erlaubt wäre, antwortete der Fahrer mit der Begründung, dass je nach Kreuzung oder Region es sicherer wäre, über eine rote Ampel zu fahren, als stehen zu bleiben und Gefahr zu laufen, ausgeraubt zu werden. Glücklicherweise passierte uns nichts und wir kamen sicher wieder beim Hotel an.
Lapa & Pão de Açúcar
Am nächsten Morgen machten wir uns recht früh auf den Weg in den Bezirk „Lapa“, welcher eigentlich für sein Nachtleben bekannt ist. Untertags bietet Lapa viele kulturelle Angebote wie beispielsweise die bunten Stiegen „Escadaria Selarón“ oder die „Arcos da Lapa“. Die Stiegen wurden vom chilenischen Künstler Jorge Selarón mit über 2000 verschiedenen kleinen Fliesen versehen, hauptsächlich in den Farben der brasilianischen Flagge. Mit der Zeit fügte er auch handgemalte Fliesen ein, die sowohl seine Probleme aber auch Kulturen verschiedenster Länder darstellen sollen. Laut eigener Aussage, sollte das Werk erst mit dem Tod Selaróns enden. Im Jahr 2013 wurde der Künstler tatsächlich tot auf seinen Stiegen liegend mit Verbrennungen am ganzen Körper gefunden, die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Unweit von den Stiegen findet man auch die „Arcos da Lapa“, ein Aquedukt welches im 18. Jahrhundert der Wasserversorgung diente. Heute wird es von der Santa Teresa Tram verwendet.
Am Nachmittag machten wir einen kurzen Stopp beim Vermelha Strand am Fuße des Zuckerhutes. Verglichen mit der Copacabana oder Ipanema ist der Strand relativ kurz, dennoch extrem schön und auch beliebt. Verkäufer bieten klassische Kokosnüsse, Acaí und natürlich auch Capirinhas an.
Kurz vor Sonnenuntergang ging es dann für uns auf den Zuckerhut – und mit kurz vor Sonnenuntergang meine ich auch kurz davor. Unglücklicherweise hatten wir mit etwas weniger Ansturm bei der Ticketkassa. Ein „Tourguide“ hatte uns dann angeboten, für etwas Aufpreis mit uns schneller da hoch zu gehen, und uns oben herumzuführen. Wir nahmen das Angebot an (knapp 20 € inkl. Eintrittskarte pro Person), sind dann auch tatsächlich schneller durch gekommen allerdings verschwand unser Tourguide sofort als er die Bezahlung erhalten hatte. Hatte ich mir auch irgendwo erwartet – aber naja, wenigstens haben wir es zum Sonnenuntergang geschafft. Die Aussicht von oben ist absolut atemberaubend und entschädigte auch für den höheren Preis.
Cristo Redentor
Da wir im Juni in Rio waren, waren wir auch im Winter – das führte zwar zu einigen Wolken hin und wieder, ansonsten aber echt angenehmes Wetter immer rund um die 28-30° C. Dementsprechend wollte ich aber auch die bestmögliche Sicht abwarten, bis ich, neben dem Kolosseum, Petra und Machu Picchu, Weltwunder Nummer 4/7 abhaken kann. Die Eintrittskarte mussten wir einen Tag vorher buchen, um sicher einen Platz zu bekommen. Am nächsten Morgen ging es dann mit einem Uber in das kleine Viertel „Cosme Velho“, wo sich auch der Bahnhof des „Trem do Corcovado“ befindet. Mit dem Zug sind wir nach knapp 15-20 Minuten auf dem Gipfel des Felsens angekommen, wobei wir eine atemberaubende Aussicht auf die Stadt genießen konnten. Mein Tipp daher: beim rauffahren auf der rechten Seite sitzen, beim runter fahren auf der Linken! Oben angekommen findet man auch zahlreiche Affen, die gerne einmal das Essen oder Handy des ein oder anderen Touristen stehlen.
Die Statue selbst steht auf einem Sockel und ist nicht ganz 40 m hoch (inkl. Sockel). Direkt vor der Statue befindet sich auch eine Aussichtsplattform, die zwar absolut überfüllt war mit Touristen, von wo aus man aber mit Abstand eine der schönsten Aussichten auf eine Stadt hat, die ich je gesehen habe. Von der Plattform aus konnte man erst richtig verarbeiten, wie unfassbar riesig Rio de Janeiro inklusive Umland eigentlich ist.
Parque Lage & Jardim Botanico
Unseren letzten Tag verbrachten wir etwas ruhiger. Vormittags ging es zum Parque Lage, ein Tipp unserer chilenischen Freundin, welche uns auf der Reise begleitete. Der Park liegt nördlich von Ipanema und Leblon zwischen Seeufer und Felshang. Gleich am Eingang befindet sich ein alter Palast, mehr der weniger mitten im Regenwald – die ganze Umgebung fühlte sich irgendwie an, als wäre man mitten in einem Indiana Jones Film. Generell sind im ganzen Park auch immer wieder kleinere Höhlen und alte Türme zu finden.
Der Botanische Garten ist deutlich größer als der Parque Lage, allerdings auch bekannter. Im ganzen Garten findet man verschiedenste Pflanzen und auch die unterschiedlichsten Biome, wie sie in Brasilien vorkommen. Neben Palmen und anderen tropischen Pflanzen sind auch zahlreiche Affen und Vögel in dem Garten beheimatet.
Abends durfte natürlich auch ein typisch brasilianisches Gericht nicht fehlen. Davor ging es allerdings nach Ipanema zur „Feira Hippie“ – einem Handwerksmarkt am Hauptplatz des Stadtteils. Wer Schmuck oder andere Kunstwerke sucht, wird hier definitiv fündig. Anschließend gingen wir in Ipanema noch ein traditionelles Picanha Steak essen, dazu natürlich ein Caipirinha.

