Wenn man Argentinien hört, denkt man vermutlich an hohe Andengipfel, Steak, flache Steppen und Patagonien – und das beschreibt auch einen sehr großen Teil des Landes. Die Provinz Misiones hingegen, fällt absolut gar nicht in diese Beschreibung hinein. Sie liegt im äußersten Nordosten Argentiniens zwischen Brasilien und Paraguay. Abgesehen von einigen landwirtschaftlich genutzten Flächen besteht die Provinz mehr oder weniger aus Feucht- und Regenwald und abgesehen von Posadas, der Provinzhauptstadt auch relativ dünn besiedelt. Puerto Iguazú, die touristisch wichtigste Stadt der Region befindet sich im Norden, am Dreiländereck zwischen Argentinien, Paraguay und Brasilien, an der Mündung des Rio Iguazú in den Rio Paraná. Sie ist Ausgangspunkt für Ausflüge zu den Iguazú Wasserfällen, die zu den Wasserreichsten weltweit gelten und UNESCO Welterbe sind.
Von Buenos Aires aus hatten wir einen Direktflug nach Puerto Iguazú und landeten abends. Da der Flughafen wortwörtlich mitten im Dschungel liegt, war auch die Umgebung im Landeanflug ungewöhnlich dunkel. Auf uns wartete ein Taxifahrer, der von unserer Unterkunft organisiert wurde – Uber gibt es nämlich in der rund 35.000 Einwohner kleinen Stadt nicht – genauso wenig auch Öffentlicher Verkehr. Unser Taxifahrer erklärte uns auch, dass die Straße zwischen Stadt und Flughafen erst durch den Tourismus asphaltiert wurde und der Rest der Hauptverbindungsachse in die übrigen Teile des Landes ist weiterhin eine klassische „Dirt-Road“. Dementsprechend oft würde man auch Tieren jeglicher Art auf den Straßen begegnen.
Iguazú-Wasserfälle
Die Nacht war angenehm warm, geweckt wurden wir vom Vogelzwitschern. Unseren Taxifahrer vom Vorabend haben wir gebeten, uns seine Nummer zu geben um ihn für die Fahrt am nächsten Tag zu den Wasserfällen zu buchen. Ähnlich wie in Bolivien, hatten wir nämlich in den sehr dünn besiedelten Gegenden nur sehr schlechten oder gar keinen Empfang – so auch bei den Wasserfällen. So konnten wir eine Uhrzeit mit dem Taxifahrer vereinbaren, zu der er uns wieder abholen sollte, was super funktionierte. Grundsätzlich liegen die Wasserfälle genau auf der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien. Dadurch gibt es auch die Option, sie von der brasilianischen Seite aus zu besuchen. Die argentinische Seite ist allerdings etwas größer und unserer Meinung nach etwas besser ausgebaut, weshalb wir von Puerto Iguazú aus starteten. Nachdem man die Tickets gekauft hat, wartet man im Besucherzentrum auf den kleinen Besucherzug, welcher durch den Nationalpark fährt – Straßen gibt es nämlich kaum welche. Der Zug hält an verschiedenen Stationen, von wo aus zahlreiche Rundgänge durch den Dschungel und zu verschiedenen Aussichtspunkten auf den Wasserfall gestartet werden können. Der letzte Halt des Zuges ist die „Garganta del Diablo“ („Teufelsrachen“) – ein rund 1 km langer Weg aus Brücken bis in die Mitte des Wasserfalles. Leider jedoch wurde der Steg am Ende des Weges einige Tage vor unserer Reise durch Sturzfluten weggespült, wodurch der komplette Weg gesperrt wurde. Dennoch waren die beiden größeren Routen „Sendero Superior“ und „Sendero Inferior“ absolut beindruckend und wir konnten neben den Wasserfällen auch Tiere aller Art in freier Wildbahn begutachten, darunter auch Affen und Kaimane.
Dreiländereck und Rückreise
Nach knapp acht Stunden im Nationalpark kamen wir zu dem Entschluss, dass acht Stunden zwar extrem Anstrengend, allerdings fast schon zu wenig sind für den Nationalpark. An jeder Ecke gibt es neue spannende Dinge zu entdecken. Leider hatten wir allerdings wieder einen Rückflug am nächsten Tag. Den Abend nutzten wir noch, um den Aussichtspunkt am Dreiländereck zu besuchen. Hier mündet der Rio Iguazú (im Bild unten braunes Wasser) in den Rio Paraná (im Bild unten dunkles Wasser). Die neu errichtete Brücke verbindet Paraguay auf der linken Seite mit Brasilien auf der rechten Seite. Argentinien und Brasilien sind durch eine andere Brücke etwas weiter östlich verbunden.
Unseren Rückflug nach Santiago de Chile hatten wir am nächsten Morgen, allerdings von der brasilianischen Seite aus mit Zwischenstopp in Curitiba. Tatsächlich war das auch mit Abstand die günstigste Verbindung. Unser Taxifahrer des Vertrauens brachte uns über die Grenze nach Brasilien, wo wir im Ort Foz do Iguacu den Flug nach Curitiba angetreten sind. Während des Starts konnte man in einiger Entfernung sogar noch die Wasserfälle von oben betrachten. Nach dem kurzen Zwischenstopp ging es dann auch zurück nach Santiago, wo wir spät abends wieder ankamen.

