Santiago de Chile – Ende eines Kapitels

Das letzte halbe Jahr verbrachte ich in Santiago de Chile. Über diese Zeit habe ich gelernt, Santiago in mein Herz zu schließen, ganz gleich welche Macken die Stadt offenbarte. Unser Semester an der Universidad del Desarrollo ging mit Juli zu Ende, weshalb wir unsere restliche verbleibende Zeit in Santiago bestmöglich nutzen wollten. Während des Semesters bekamen wir mehrmals die Empfehlung, das Museum der Menschenrechte zu besuchen. In einer der letzten Wochen hatten wir dann einen Besuch geplant. Das Museo de la Memoria y los Derechos Humanos befindet sich im westlichen Teil der Metropole, direkt bei der Metrostation „Quinta Normal“ und gedenkt den Opfern der Militärdiktatur in Chile von 1973-1990 unter Diktator Agusto Pinochet. Die damalige Präsidentin Michelle Bachalet, welche selbst während der Zeit der Diktatur inhaftiert war, setzte sich 2007 für die Errichtung des Museums ein. Im Jahre 2010 wurde es schließlich eröffnet. Die Ausstellung beinhaltet zahlreiche Fotos, Videos, Zeitungsartikel und vieles mehr, die an die Wahrung der Menschenrechte und die Diktatur in Chile erinnern sollen. Für einen besonderen Gänsehautmoment sorgte eine Galerie im Zentrum des Museums mit tausenden von Fotos von verschwundenen und ermordeten Menschen, welche teilweise bereits als Säuglinge oder Kleinkinder entführt und ins Ausland gebracht wurden.  

Museo de la Memoria y los Derechos Humanos
Treppe mit Dingen, die nie passieren werden.
Wand mit Bildern der Verschwundenen und Ermordeten

Templo Bahá'í

Im Osten Santiagos im Bezirk Peñalolén direkt am Fuß der Anden befindet sich der erste Bahai Tempel Südamerikas. Bahai ist eine Religion die im 19. Jahrhundert im heutigen Iran entstanden ist und auf dem zentralen Glauben basiert, die Erde als einzigen Staat und die Menschen als seine Bürger anzusehen. Unter Anderem zielt die Lehre der Bahai auch darauf ab, die Gesellschaft der Menschen als friedliche Einheit zu gestalten die sich gegenseitig fördern und materiell und geistig fortschreitet. Mit der Fertigstellung des Tempels in Chile im Jahr 2016 befindet sich nun auf jedem Kontinent ein Tempel – das Ziel der Bahai ist, in jedem Staat einen zu  errichten. Das erste Haus der Andacht wurde 1902 in Asgabat im heutigen Turkmenistan eröffnet, musste allerdings aufgrund von instabilem Boden wieder abgerissen werden. 

Templo de Baha'í in Chile
Parque Quinta Normal

Abschied nehmen

Mitte Juli hieß es dann für uns Abschied nehmen – einer meiner schwersten Abschiede bisher aus einem Land, nach zahlreichen Eindrücken, neu gewonnenen Freundschaften und Abschied nehmen von einer Stadt, vor der ich anfangs sogar etwas Angst hatte. Alleine die Vorstellung, in einer Stadt zu leben, die knapp so viele Einwohner wie mein ganzes Land haben soll schreckte mich etwas ab. Über die letzten Monate habe ich die Stadt jedoch lieben gelernt mit all ihren Macken, undichten, überfüllten Metrostationen und Einwohnern mit einem Spanisch das quasi unverständlich ist. Am Ende habe ich ein zweites zu Hause dazugewonnen, auch durch neue Freundschaften die ich knüpfen konnte. Chile hat mich definitiv nicht zum letzten mal gesehen!